What’s new in Pediatric Imaging (German) – August 2020

2 Jahren ago

ABDOMINALE BILDGEBUNG

 

Signifikanz von fehlendem Darmgas auf abdominalen Röntgenaufnahmen in pädiatrischen Patienten mit adhäsiven-Dünndarmobstruktionen.

Johnson BL, Campagna GA, Hyak JM, et al The significance of abdominal radiographs with paucity of gas in pediatric adhesive small bowel obstruction  Am J Surg  2020; 220: 208–213.

https://doi.org/10.1016/j.amjsurg.2019.10.035

Fragestellung: Welche Bedeutung hat fehlendes Darmgas bei der initialen Röntgenaufnahme des Abdomens (AXR)?

Studiendesign: Retrospektive Studie von 2011 bis 2015

Standort: Monozentrisch, Texas Children´s Hospital/Baylor College of Medicine, Houston, Texas

Teilnehmer und Einschlusskriterien: 207 Patienten mit adhäsiver Dünndarmobstruktion (ASBO)

Therapie: Operation

Endpunkte: Die Raten von AXR-Befunden (erweiterte luftgefüllte Darmschlingen, fehlendes Darmgas) und Genauigkeit des AXR vs. CT-Scans in Bezug auf die Art der Obstruktion (nicht charakterisierbar, niedriggradig, hochgradig oder closed-loop).

Ergebnisse: Initiale AXR zeigten in 41% der Fälle keine luft-/gasgefüllten Darmschlingen. Zusätzlich kam es bei diesen Patienten häufiger zu chirurgischen Eingriffen, als bei Patienten mit erweiterten luftgefüllte Darmschlingen (49% vs. 32%, P=0.01).

Patienten ohne luft-/gasgefüllte Darmschlingen hatten zusätzlich häufiger closed-loop oder hochgradige Obstruktionen als Patienten mit luftgefüllte Darmschlingen (71% vs. 29%, P<0.001).

Kommentar: Abdominale Röntgenaufnahmen bestimmen oft die initiale Behandlung bei Kindern mit Dünndarmobstruktion. Das Fehlen von luft-/gasgefüllten Darmschlingen ist mit schwerwiegenderen Obstruktionen (hochgradig und closed-loop) und häufigeren Operation assoziiert.

 

Ultraschallgeführte Invaginationsreduktion mit Kochsalzlösung und Sedierung zur Behandlung ileokolischer Invagination: 20 Jahre Erfahrung

Säcke RS,  Anconina  R, Farkas E, et al.  Sedated ultrasound guided saline reduction (SUR) of Ileocolic intussusception: 20 year experience .  Journal Pre-Proof. J Pediatr Surg  2020.

https://doi.org/10.1016/j.jpedsurg.2020.05.049

Fragestellung: Wie wird der ultraschall-geführte Einlauf mit Kochsalzlösung unter Sedierung (Sedated ultrasound guided saline reduction, SUR) zur Behandlung von ileokolischen Invaginationen verwendet?

Studiendesign: Retrospektive Studie von 1998 bis 2018

Standort: Monozentrische Studie, Ben Gurion University of the Negev, Be’er Sheva, Israel

Teilnehmer und Einschlusskriterien: 414 Invaginationen wurden mit SUR behandelt; 338 waren primäre Episoden und 76 waren wiederkehrende Episoden.

Therapie: SUR

Endpunkte: Technische Erfolgsrate und Perforationsrate. Zusätzlich wurden noch klinische und bildgebende Assoziationen mit der Erfolgsrate/Perforationsrate, einschließlich des Alters der Patienten, Fehlens von freier Flüssigkeit und Lokalisation im rechten oberen Quadranten untersucht.

Ergebnisse: 257 von 338 primären Episoden (84.3%) konnten erfolgreich mit SUR behandelt werden. 59 von 76 wiederkehrenden Episoden wurden erfolgreich mit SUR (78%) behandelt. Während der SUR traten keine Perforationen auf. Statistisch signifikante Assoziationen mit erfolgreicher SUR waren ein höheres Alter zum Zeitpunkt der Diagnose (P=0.016), das Fehlen von freier Flüssigkeit (P=1.803e-05) und die Lokalisation der Invagination im rechten oberen Quadranten (P=0.0048).

Kommentar: Die Erfolgsrate der fluoroskopischen Luft/hydrostatischen Invaginationsreduktion liegen zwischen 68-90%. Zu den Risiken dieser Verfahren zählt die Strahlenexposition, sowie das geringe Risiko einer pneumatischen Perforation. Diese Studie zeigt eine hohe Erfolgsrate der SUR, welche im oberen Bereich der berichteten Erfolgsrate der fluoroskopischen Reduktion liegt, ohne stattgefundene Perforation und ohne Strahlenexposition. Eine große Herausforderung der SUR ist die fehlende Möglichkeit, das Caecum und Ileum in Echtzeit darzustellen. Dies ist auf die eingeführte Luft zurückzuführen, welche mit der sonographischen Auswertung interferiert. Darüber hinaus erfordert diese Technik Anästhesie, welche stets potentielle Risiken birgt und in den meisten Krankenhäusern nicht üblich ist. Während SUR eine nützliche und erfolgreiche Technik zur Behandlung von ileokolischen Intussuszeptionen sein kann, kann eine fehlende ausreichende sonographische und technische Ausbildung ein Ausschlusskriterium für dessen Verwendung in nicht spezialisierten Krankenhäusern darstellen.

 

Thoraxbildgebung

 

T1-Mapping Magnetresonanztomographie der Lunge zur Beurteilung von Lungenerkrankungen bei Kindern mit zystischer Fibrose: Eine Pilotstudie

Neemuchwala F, Mahani MG, Pang Y, et al. . Lung T1 mapping magnetic resonance imaging in the assessment of pulmonary disease in children with cystic fibrosis: a pilot study    Pediatr Radiol   2020; 50: 923–934.

https://doi.org/10.1007/s00247-020-04638-9

Fragestellung: Kann T1-Mapping der Lunge bei Kindern mit zystischer Fibrose (ZF) eine frühe Lungenerkrankung erkennen oder Lungenexazerbationen überwachen?

Studiendesign: Es handelt sich um eine prospektive Studie von Sept 2017 bis Jan 2018. Phase 1 war eine Querschnittsanalyse und Phase 2 eine longitudinale Analyse über 2 Wochen.

Setting: Monozentrisch

Teilnehmer: 16 Kinder: 5 Patienten mit ZF im Vergleich zu 5 gesunden Probanden in Phase 1 und 6 ZF-Patienten in Phase 2

Intervention: T1-Mapping (ohne Kontrastmittel), ultrakurze Echozeit (UTE) MRT, Spirometrie-Tests

Endpunkte: Mittlerer T1-Wert, prozentuales Lungenvolumen ohne T1-Wert und MRT-ZF-Score

Ergebnisse: In Phase-1 wiesen ZF-Patienten signifikant niedrigere normalisierte T1-Werte der Lunge auf (P=0.02), mit Ausnahme des rechten unteren Lungenlappen (P=0.29). Zusätzlich konnte bei den ZF-Patienten ein signifikant höheres prozentuales Lungenvolumen ohne T1-Signal nachgewiesen werden (P=0.006). In Phase 2 konnte im Verlauf der Behandlung, mit Ausnahme eines Falles, bei allen Patienten ein Anstieg des T1-Wertes (gemessen in der gesamten Lunge) (P=0.001) und einen verbesserten Perfusions-Score (P=0.02) nachgewiesen werden.

Kommentar: T1-Mapping wurde bereits in der MR-Bildgebung von Erwachsenen mit ZF verwendet. Dies stellt eine gute Möglichkeit dar, da „mucus-pluggin“ und „air trapping“ in ZF zu hypoxie-induzierten Vasokonstriktionen und Perfusionsanomalien führen. Da Blut ein höheres T1-Signal als Lungenparenchym aufweist, wird das T1-Signal einer gut durchbluteten Lunge im Vergleich zu einer hypoxischen Lunge erhöht sein. Diese Studie konnte nachweisen, dass, ähnlich wie bei Erwachsenen, Kinder mit ZF ein verringertes normalisiertes T1-Signal hatten, trotz normaler Spirometrie. Die Autoren geben an, dass T1-Mapping bei Kindern mit ZF verwendet werden kann, um Lungenerkrankungen in frühen Stadien zu erkennen und eine frühzeitige Behandlung bei gleichzeitiger Minimierung der Strahlenexposition zu ermöglichen. Bei ZF-Patienten mit akuten Exazerbationen kann T1-Mapping helfen, Therapieansprechen zu erkenne und die Dauer der Antibiotikabehandlung zu bestimmen. Große Einschränkungen dieser Studie waren die kleine Stichprobengröße, sowie der Einfluss von Artefakten auf T1-Werte.

 

Herzbildgebung

 

Körperfettverteilung, Übergewicht und Herzstrukturen bei Kindern im Schulalter: Eine bevölkerungsbasierte Herz-MRT Studie

Toemen L, Santos S,  Roest  AA, et al. Body fat distribution, overweight, and cardiac structures in school-age children: a population-based cardiac magnetic resonance imaging study.   JAHA  2020; 9:  e014933.

https://doi.org/10.1161/JAHA.119.014933

Fragestellung: Welche Assoziationen bestehen zwischen dem gesamten und abdominalen Körperfett mit der rechten und linken ventrikulären Struktur und Funktion bei übergewichtigen Kindern?

Studiendesign: Bevölkerungsbasierte, prospektive Kohortenstudie

Setting: Generation R-Studie in Rotterdam, Niederlande

Teilnehmer: 2836 Kinder im Alter von 10 Jahren und verschiedenen Ethnien (niederländische vs. nicht-niederländische Kinder, darunter auch europäische, türkische, marokkanische, surinamesische, kapverdische Kinder und Kinder von den niederländischen Antillen)

Intervention: Vergleich von übergewichtigen, fettleibigen und untergewichtigen Kindern mit normalgewichtigen Kindern.

Endpunkte: Body-Mass-Index (BMI), Körperzusammensetzung (Lean Body Mass, Fettmasseindex und viszeraler Fettgewebeindex),  Blutdruck  und  kardiale Messungen:  rechtsventrikuläres enddiastolisches Volumen  (RVEDV),  rechtsventrikuläre Ejektionsfraktion (RVEF), linksventrikuläres enddiastolisches Volumen (LVEDV), linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF),  linksventrikuläre Masse (LVM), linksventrikuläres Massen-Volumen-Verhältnis (LMVR) als Marker für konzentrisches Remodellierung, Schlagvolumen, und Herzleistung.

Ergebnisse: Bei übergewichtigen und fettleibigen Kindern konnte ein höherer Lean Body Mass, Fett-Masse-Index, viszeraler Fettgewebeindex und Blutdruck im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern nachgewiesen werden. Der BMI zeigte eine positive Assoziation mit RVEDV (0.39), LVEDV (0.41), LVM (0.39) und LMVR (0.07). Die Assoziationen des Lean Body Mass mit allen kardialen Messungen waren stärker als mit dem BMI, wobei Assoziation mit LVEDV (0.51) am stärksten waren. In geringerem Maße korrelierten der Fett-Masse-Index und der viszerale Fettgewebeindex auch positiv mit RVEDV (0.15 bzw. 0.09), LVEDV (0.17 bzw. 0.09), LVM (0.19 und 0.12) und LMVR (0.07 bzw. 0.09). BMI und Körperzusammensetzung (Lean-Mass-Index, Fett-Masse-Index und viszeraler Fettgewebeindex) korrelierten negativ mit dem systemischen Gefäßwiderstand. Fettleibige Kinder wiesen das höchste Herzvolumen, die größte Herzmasse, Herzmassen-Volumen-Verhältnis und Schlagvolumen auf, sowie eine niedrigere RVEF. Bei der LVEF gab es keinen Unterschied.

Kommentar: Lean Body Mass kann eine wichtige Determinante des Herzwachstums sein. Die Fettmasse könnte die Herzstruktur auch noch im späteren Alter beeinflussen. Während bei dieser Studie kein Zusammenhang zwischen linker Herzfunktion und BMI nachgewiesen werden konnte, haben andere Studien eine niedrigere LVEF und einen erhöhten viszeralen Fettgewebeindex gezeigt. Adipositas steht somit im Zusammenhang mit einer niedrigeren Funktion des rechten Herzens.

 

Muskuloskelettale Bildgebung

 

Genauigkeit des Ultraschalls bei der Diagnose klassischer metaphysärer Läsionen mit Röntgenaufnahmen als Goldstandard

Karmazyn B, Marine MB, Wanner M    R   et al. Accuracy of ultrasound in the diagnosis of classic metaphyseal lesions using radiographs as the gold standard Pediatr Radiol  2020; 50: 1123–1130.

https://doi.org/10.1007/s00247-020-04671-8

Fragestellung: Ist Ultraschall (US) eine geeignete Methode zur Diagnose klassischer metaphysärer Läsionen (CML) bei Verdacht auf Kindesmissbrauch?

Studiendesign: Prospektive Studie von 2014-2017. Zwei verblindete Radiologen (Rad1 und Rad2) bewerteten die US-Aufnahmen distaler Oberschenkelknochen (bilateraler) und der rechten oder linken proximalen und distalen Tibia bei jedem Studienteilnehmer. Die Fälle wurden als positiv gewertet, wenn bei dem jeweiligen Kind eine CML auf Röntgenübersichtsaufnahmen zeigte; und als negativ gewertet, wenn keine CML sichtbar war. Die Fälle wurden als „unbestimmt“ gewertet werden, wenn die Wörter „möglich“, „verdächtig auf“ oder „suggestiv“ im Röntgenbefund verwendet wurden.

Setting: Monozentrisch, Riley Hospital for Children, Indianapolis

Teilnehmer: 63 Kinder (Alter < 1 Jahr) und insgesamt 241 Metaphysen wurden bewertet. Alle in die Studie eingeschlossenen Kinder wurden in 3 Gruppen eingeteilt: 1) Kontrollgruppe, 2) Kinder, die für eine Röntgenuntersuchungen aufgrund eines möglichen Missbrauchs vorgesehen waren, und 3) Kinder, die bereits einer Röntgenuntersuchung bei Verdacht auf CML unterzogen wurden.

Endpunkte: Sensitivität, Spezifität und Accuracy der Detektion von CML mittels US; Interobserver-Übereinstimmung zwischen 2 Radiologen (Kappa).

Ergebnisse: Die Interobserver-Übereinstimmung für das Vorhandenseins von CML mittels US war 0.7 (kappa) mit 96% Übereinstimmung. Die US-Sensitivität war gering (55% bzw. 63% für Rad1 bzw. Rad2), die US-Spezifität hingegen war mit 98% bzw. 97% für Rad1 bzw. Rad2 hoch. Die Accuracy des US war hoch (94% für beide Radiologen).

Kommentar: In den Vereinigten Staaten sind Röntgenaufnahmen bei jedem Verdacht auf Kindesmissbrauch bei Kindern unter 2 Jahren vorgeschrieben. Zusätzlich werden sie als Referenzstandard für die Diagnose von assoziierten Frakturen angesehen. Frakturen können mithilfe von US nachgewiesen werden und diese Studie untersucht die Sensitivität, Spezifität und Accuracy der Verwendung von US für die Bewertung von CMLs. Diese Studie zeigte eine höhere Interobserver-Übereinstimmung für die Diagnose von CML als die aus der Literatur bekannte Interobserver-Übereinstimmung von Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen. Des Weiteren zeigte die Studie eine hohe Accuracy und Spezifität des US zum Nachweis von CML bei jedoch niedriger Sensitivität. Dementsprechend könnte US eine hilfreiche Ergänzung bei der Bewertung von Röntgenaufnahmen mit unklarem Befund bezüglich CMLs bieten.

 

Diagnostische Genauigkeit von Ultraschall zur Diagnose von Frakturen der oberen Extremität bei Kindern: eine systematische Überprüfung und Metaanalyse.

Tsou PY, Ma  YK, Wang  YH, et al Diagnostic accuracy of ultrasound for upper extremity fractures in children: a systematic review and meta-analysis. Artikel in der Presse.   Am J of Emerg Med,  2020.

https://doi.org/10.1016/j.ajem.2020.04.071

Fragestellung: Wie ist die diagnostische Genauigkeit von Ultraschall (US) zur Diagnose von Frakturen der oberen Extremität bei Kindern?

Studiendesign: Systematische Überprüfung von Datenbanken (PubMed, EMBASE, Web of Science) bis November 2019 unter Verwendung vordefinierter Indexbegriffe. Für die Metaanalyse wurde ein bivariates Modell mit Zufallseffekten verwendet. Eine Teilgruppenanalyse der Frakturstelle wurde ebenfalls durchgeführt (Ellbogen vs. Nicht-Ellbogen).

Anzahl der Studien: 32 Studien von mehreren Kontinenten wurden eingeschlossen

Intervention: Durchführung von US bei Frakturen der oberen Extremität

Endpunkte: Sensitivität, Spezifität, positives (LR+) und negatives Wahrscheinlichkeitsverhältnis (LR–) und die Fläche unter der ROC-Kurve (AUROC) für die US-Diagnose von Frakturen der oberen Extremität und Subgruppenanalyse für Ellbogenfrakturen. Eine Metaregression wurde durchgeführt, um festzustellen, ob die Frakturstelle die Diagnostische Genauigkeit beeinflusste.

Ergebnisse: Die Sensitivität, Spezifität, LR+, LR– und AUROC für die Diagnose von Frakturen der oberen Extremitäten mittels US betrugen 0.95, 0.95, 21.1, 0.05 bzw. 0.98. Die Sensitivität, Spezifität, LR+, LR- und AUROC für die Teilgruppenanalyse für Ellenbogenfrakturen betrug 0.95, 0.87, 7.3, 0.06 bzw. 0.96. Metaregression deutete darauf hin, dass die Lokalisation der Fraktur die diagnostische Genauigkeit des US beeinflusst (P<0.01 für Ellbogen- vs. Nicht-Ellbogenfrakturen).

Kommentar: Die aktuelle Studienlage zeigt, dass US ausgezeichnete diagnostische Werte zur Detektion von Frakturen der oberen Extremität bei Kindern aufweist. Somit kann US als Alternative zu konventionellen Röntgenaufnahmen verwendet werden. Interessanterweise evaluierten die Autoren auch Point-of-Care US (POCUS) im Vergleich zum vom Radiologen durchgeführten US (RADUS) in einer zusätzlichen Subgruppenanalyse (Sensitivität 0.95, Spezifität 0.96, LR+ 22.7, LR- 0.06, AUROC 0.97). Dies könnte darauf hindeuten, dass POCUS eine ähnlich hohe diagnostische Genauigkeit wie RADUS hat. Jedoch sollte aufgrund der geringen statistischen Aussagekraft (17 eingeschlossene Studien für POCUS) und der großen Variation bezüglich der muskuloskelettalen US-Ausbildung (30 Minuten Didaktik mit praktischem Training für klinisch tätige Ärzte bis hin zu jahrelanger Erfahrung für Radiologen) bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten sein, insbesondere weil US eine untersucherabhängige Modalität ist.

 

INTERVENTIONELLE RADIOLOGIE

 

Postpylorische Ballonokklusion zur Verbesserung der Erfolgsrate der Sondenplatzierung mittels perkutaner Gastrostomie/Gastrojejunostomie bei Kindern.

Durand R, Cahill AM, Shellikeri S, et al. Postpyloric balloon oclusion to increase technical success during pediatric percutaneous gastrostomy/gastrojejunostomy tube placement. p J Vasc Interv Radiol    2020; 31:1139–1142.

https://doi.org/10.1016/j.jvir.2020.03.004

Fragestellung: Maximiert die postpylorische Ballonokklusion die Mageninsufflation zur Platzierung der Magensonde mittels perkutaner Gastrostomie/Gastrojejunostomie bei vorherigem Scheitern mittels konventioneller Methoden?

Studiendesign: Monozentrisch, Children´s Hospital of Philadelphia

Setting: Retrospektive Studie von 2016 bis 2019.

Probanden: Auswahl von Fällen bei denen postpylorische Ballonokklusion verwendet wurden. In 29 von 155 Fällen war ein Ballonokklusion zur Platzierung der Magensonden erforderlich. Das mittlere Patientenalter betrug 36 Monate.

Intervention: Postpylorischer Ballonokklusion wurde verwendet, wenn der Magenrand nicht ausreichend nach subkostal oder den Leberrand reichte, oder bei vorzeitigem Verlust der insuffierten Luft.

Endpunkte: Technische Erfolgsrate.

Ergebnisse: Ballonokklusion wurde bei 23 der 29 Patienten (79.3%) als erfolgreich eingestuft, wodurch die Gesamterfolgsrate der perkutanen Magensondenplatzierug von 80.1% auf 95.2% stieg.

Kommentar: Mit der postpylorischen Ballonokklusion kann die Erfolgsrate der Platzierung der Ernährungssonde bei Kindern erhöht werden, vor allem bei Fällen mit Darm- und Leber-Interposition. Es ist eine einfache Technik und kann bei Kindern ab 3 kg verwendet werden. Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Technik in geeigneten Fällen anstelle von Glucagon verwendet werden könnte. Die 6 erfolglosen Fälle in dieser Studie wurden Faktoren zugeschrieben, die nicht überwunden werden konnten (z.B.: persistente Kolon-Interposition, distendierte Dünndarmschlingen, Hepatomegalie). Daher ist in manchen Fällen weiterhin eine chirurgische Ernähurngssondenplatzierung notwendig. Limitationen dieser Studie und Technik umfassen die geringe Fallzahl als auch die zusätzlich notwendige Fluoroskopiezeit und Strahlendosis für den Patienten.

 

NEURORADIOLOGIE

 

Genauigkeit der MR-Bildgebung zum Nachweis von sensorineuralem Hörverlust bei Säuglingen mit bakterieller Meningitis

Orman G, Kukreja MM, Vallejo JG, et al. Accuracy of MR imaging for detection of sensorineural hearing loss in infants with bacterial meningitis. AJNR  2020; 41: 1081–1086.

http://dx.doi.org/10.3174/ajnr.A6539

Fragestellung: Wie ist die diagnostische Genauigkeit des MRT zur Vorhersage der Entwicklung von sensorineuralem Hörverlust (SNHL) bei Säuglingen mit bakterieller Meningitis?

Studiendesign: Retrospektive Studie von 2011 bis 2019.

Setting: Monozentrisch, Texas Children’s Hospital/Baylor College of Medicine, Houston, Texas

Teilnehmer: 115 Kleinkinder

Intervention: In dieser retrospektiven Studie evaluierten 2 verblindete, pädiatrische Neuroradiologen mit 7-9 Jahren Erfahrung unabhängig voneinander MRT-Untersuchungen des Gehirns. Audiometrische Tests waren der Referenzstandard für die Diagnose von SNHL bei allen Patienten.

Endpunkte: Sensitivität, Spezifität, positiver Vorhersagewert (PPV), negativer Vorhersagewert (NPV) und diagnostische Genauigkeit der kontrastmittelverstärkten T1-gewichteten Bildgebung (T1WI+C), der FLAIR-Bildgebung und eine Kombination dieser im Vergleich mit audiometrischen Testergebnissen. Laborergebnisse wurden ebenfalls ausgewertet, einschließlich Liquor-Kulturen, Liquor-Glukose, Liquor-Protein, Liquor-Leukozytenzahl und Blutkulturen.

Ergebnisse: Die Auswertung der T1WI+C (Konsensus beider Radiologen) ergab eine Sensitivität, Spezifität, PPV, NPV und Accuracy von 61.4%, 95.5%, 83.3%, 87.1% bzw. 86.3%. Die Auswertung der FLAIR-Bildgebung (Konsensus beider Radiologen) ergab eine Sensitivität, Spezifität, PPV, NPV und Accuracy von 50%, 93.6%, 75%, 83.1% bzw. 81.6%. Die Inter-observer-Übereinstimmung für T1WI+C, FLAIR-Bildgebung und kombinierte Auswertung war ausgezeichnet (kappa > 0.9). Faktoren, die signifikant mit SNHL in Verbindung gebracht wurden, waren niedrige Liquor-Glukose, hohes Liquor-Protein und positive Liquor-Kultur.

Kommentar: Die abnormale Kontrastmittelaufnahme und das erhöhte FLAIR-Signal beim MRT des Innenohrs sind sehr spezifisch für die Vorhersage von SNHL bei Säuglingen mit bakterieller Meningitis und könnten mit Entzündungen, Störungen der Blut-Hirn-Schranke und Ansammlung von abnormaler proteinreicher Flüssigkeit bei bakterieller Meningitis zusammenhängen. Die Ergebnisse dieser Studie sollen das Bewusstsein schärfen und eine genauere Beurteilung des Innenohrs bei Patienten mit bakterieller Meningitis bei routinemäßigen MRT-Untersuchungen fördern.

 

Einminütiges ultraschnelles MRT des Gehirns mit vollständigen Basis-Sequenzen: Eine vielversprechende Methode in der pädiatrischen Bildgebung des Gehirns?

Ha JY, Baek HJ, Ryu KH, et al. One-minute ultrafast brain MRI with full basic sequences: can it be a promising way forward for pediatric neuroimaging?   AJR  2020; 215: 198–205.

https://www.ajronline.org/doi/10.2214/AJR.19.22378

Fragestellung: Ist ein 1-minütiges ultraschnelles MRT-Protokoll des Gehirns bei pädiatrischen Patienten klinisch möglich?

Studiendesign: Retrospektive Studie

Setting: Monozentrisch, Gyeongsang National University School of Medicine und Gyeongsang National University Changwon Hospital, Republik Korea.

Teilnehmer: 23 Patienten mit normalen und pathologischen Befunden

Intervention: 1-minütiges ultraschnelles MRT-Protokoll (Gesamtscanzeit 1 Minute, 11 Sekunden) im Vergleich zu einem routinemäßigem MRT-Protokoll des Gehirns (Gesamtscanzeit 9 Minuten, 51 Sekunden)

Endpunkte: 4-Punkte Likert-Skala für die Bewertung der Bildqualität, Wilcoxon signed rank Test, um die Bewertungen der Radiologen zu vergleichen, und Interobserver-Übereinstimmung zwischen 2 unabhängigen Radiologen

Ergebnisse: Der Mittelwert der Gesamtbildqualität und der Abgrenzung anatomischer Strukturen waren mit dem ultraschnellen MRT-Protokoll deutlich niedriger als mit dem routinemäßigen MRT-Protokoll. Das ultraschnelle MRT-Protokoll zeigte jedoch eine ausreichende Gesamtbildqualität und Abgrenzung anatomischer Strukturen (>2 Punkte auf der 4-Punkte-Likert-Skala). Die Interobserver-Übereinstimmung beider Protokolle lag bei 60-100%.

Kommentar: Die Autoren schlussfolgern, dass das 1-minütige ultraschnelle MRT-Protokoll im Vergleich zu einem routinemäßigen MRT-Protokoll des Gehirns eine ausreichende Bildqualität für den diagnostischen Einsatz hat. Implikationen für eine kürzere Scanzeit wären etwa eine niedrigere Scanfehlerraten, ein niedrigerer Bedarf an Sedierungen und eine weniger Angst vor der MRT-Untersuchung. Es gibt jedoch mehrere wichtige Limitationen dieser Studie, darunter die geringe Stichprobengröße, geringe Interobserver-Übereinstimmung und die subjektive Analyse der Bildqualität.

 

QUALITÄT & SICHERHEIT

 

Strahlendosis von Aufsichtspersonen bei häufigen pädiatrischen Computertomographieuntersuchungen

Overhoff D, Weis   M, Riffel   P, et al. Radiation dose of chaperones during common pediatric computed tomography examinations  Pediatr Radiol   2020;  50:  1078–1082.

https://doi.org/10.1007/s00247-020-04681-6

Fragestellung: Wie hoch ist die Strahlendosis für die erwachsene Aufsichtspersonen die Kinder während der CT-Untersuchung begleiten?

Studiendesign: Prospektive Studie. Zwei Protokolle mit 1) Thorax Phantom, und 2) pädiatrische Patienten für routinemäßige Thorax-CTs.

Setting: Monozentrisch, Universitätsklinikum Mannheim, Universität Heidelberg

Teilnehmer: 3 Gesamtdosismessungen aus 10 CT-Untersuchungen mit einem Phantom und von 12 routinemäßigen CT-Untersuchungen von Kindern

Intervention: Die 3 Dosimeter wurden an verschiedenen Stellen rund um den CT-Scanner platziert (Gantry Öffnung (#1), 1 m von der Gantry entfernt (#2) und neben der Gantry (#3)). Die Strahlendosen wurden gemessen.

Endpunkte: Gesamtstrahlungsdosis (μSv) von Dosimeter #1, #2 und #3

Ergebnisse: Für Protokoll 1 hatte das Dosimeter #1 eine Gesamtstrahlungsdosis von 3 μSv, Dosimeter #2 1 μSv und bei Dosimeter #3 konnte keine Strahlung nachgewiesen werden. Für das Protokoll 2 hatte Dosimeter #1 eine Gesamtstrahlungsdosis von 2 μSv, Dosimeter #2 1 μSv und bei Dosimeter #3 konnte keine Strahlung nachgewiesen werden.

Kommentar: Niedrige Strahlendosen wurden für alle Dosimeterpositionen für beide Protokolle gemessen, einschließlich keiner nachweisbaren Strahlung, wenn das Dosimeter neben der Gantry positioniert wurde. Der Unterschied in den Dosen zwischen Phantomscans und echten klinischen Scans wurde auf Streuung zurückgeführt. Die Studie hat Limitationen, wie die Messung von Strahlendosen in nur einer einzigen Höhe und fehlender Berücksichtigung des Vorhandenseins von Bleischürzen welche in der Regel von den Begleitern getragen werden. Diese Ergebnisse sind möglicherweise nicht auf CT-Untersuchungen anderer Körperteile oder auf andere Untersuchungsmodalitäten, wie etwa der Fluoroskopie übertragbar. Die insgesamt niedrigen Strahlendosen sind jedoch beruhigend, da Aufsichtspersonen die Kinder während der CT-Untersuchung sicher begleiten können.

References
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